Von Nadja Buoyardane

Zeitplanung beim Schreiben 2: So errechnen Sie Ihre Schreibzeit

Bild: Fotolia_Ovidiu Iordachi

Wenn Sie entspannt Ihre Deadlines halten wollen, sollten Sie ausrechnen können, wie lange Sie für einen Text brauchen. Einfach Pi mal Daumen zu schätzen, wie lange Sie brauchen, geht in den meisten Fällen schief. Und zwar gründlich. Das Ergebnis: Abgabestress und Texte, die weit unter dem Niveau bleiben, das Sie erreichen können. Doch wie errechnen Sie die Schreibzeit, die Sie für einen Text benötigen?

Zunächst messen Sie, wie viel Zeit Sie für eine Seite Rohtext brauchen. Wie das geht, haben wir in Folge 1 dieser kleinen Serie beschrieben. Der Rohtext ist der erste Textentwurf, den Sie zügig schreiben können, ohne sich lange damit aufzuhalten, wie Sie etwas besser formulieren könnten.

Im nächsten Schritt multiplizieren Sie diese Zeit mit der Anzahl der Seiten, die Sie schreiben wollen. Nun haben Sie erst einmal die Zeit, die Sie für das Rohtexten insgesamt benötigen. Schlagen Sie auf diese Zeit noch die Pausenzeiten oben drauf. Ich empfehle Ihnen, für jede Stunde Schreibzeit rund 10 Minuten Pause dazuzurechnen.

Die Zeit, die Sie nun ausgerechnet haben, ist ein DRITTEL der Zeit, die Sie brauchen. Waaas? Nur ein Drittel, denken Sie jetzt vielleicht. Ja, auch wenn viele Schreibende glauben, sie hätten es nach dem ersten Textentwurf schon fast ganz geschafft – ein guter Teil des Weges liegt noch vor Ihnen.

Geben Sie sich fürs Schreiben genug Zeit

Gut, Sie wissen jetzt also, wie viel Zeit Sie für ein Drittel der Arbeit benötigen. Genauso viel Zeit wie für das Rohtexten sollten Sie nun auch für das Überarbeiten des Textes einplanen. Dabei richten Sie Ihren Textentwurf auf die Leser aus, Sie machen daraus also eine adressatengerechte Fassung. Jetzt haben Sie zwei Drittel der Zeit, die Sie benötigen.

Warum nur zwei Drittel? Der Weg zu einem fertigen Text besteht nicht nur aus Rohtext und Überarbeitung. Sie brauchen auch Zeit fürs Strukturieren, Feedback einholen/Reflektieren sowie für die Endkorrektur. Für jeden dieser Schritte sollten Sie jeweils etwa 5 bis 7 Prozent der Gesamtzeit einplanen. Hinzu kommt ein weiterer großer Punkt: das Ideen finden und das Recherchieren. Hier sollten Sie etwa 15 Prozent der Zeit einplanen.

Wenn Sie das jetzt zusammenrechnen, kommen Sie auf eine Zahl zwischen 30 und 36 Prozent, also wieder etwa ein Drittel. (Wir errechnen hier ja keine minutengenauen Zeitpläne, sondern ungefähre Richtgrößen.) Das ist noch einmal so viel Zeit, wie Sie für den Rohtext brauchen.

Die Zeit, die Sie fürs Rohtexten errechnet haben, multiplizieren Sie daher bei Ihrer Rechnung einfach mit dem Faktor 3 – und erhalten grob geschätzt die Zeit, die Sie für Ihren Text brauchen.

So könnte Ihre Zeitplanung für einen Text in der Praxis aussehen

Ein Beispiel: Sie sollen ein 20-seitiges Whitepaper schreiben. Der Text ist anspruchsvoll. Für eine Seite Rohtext brauchen Sie daher eine halbe Stunde. Das heißt, Sie brauchen 10 Stunden für den Rohtext. Darauf rechnen Sie noch einmal die Zeiten für die Pausen, etwa 2 Stunden. 12 Stunden entsprechen einem Drittel der Gesamtzeit.

Fürs Überarbeiten veranschlagen Sie nun noch einmal 12 Stunden (zweites Drittel der Zeit) und für die weiteren Phasen des Schreibprozesses noch einmal die gleiche Zeit (das dritte Drittel). Insgesamt kommen Sie also auf 36 Stunden Arbeitszeit für den Text.

Allerdings: Manchmal gibt es Texte, für die Sie länger recherchieren müssen. Gewichten Sie also Ihre Recherchezeit entsprechend in Ihrer Planung. Eventuell sollten Sie noch eine gesonderte Zeitplanung für Ihre Recherchezeit anlegen und die Zeit addieren.

Umgekehrt: Manchmal gibt es Texte, für die Sie nicht lange recherchieren müssen und die Sie routiniert herunterschreiben. Hier könnten Sie die Zeit, die Sie fürs Ideen finden und Recherchieren veranschlagen, etwas kürzen. Meine Empfehlung jedoch: Tun Sie es nicht. Es ist nicht schlimm, wenn Sie früher als geplant fertig sind. Dann atmen Sie einfach entspannt durch und trinken in Ruhe einen Kaffee oder Tee. Wenn Sie allerdings zu wenig Zeit eingeplant haben, ist dies der direkte Weg in den Stress.

Die Abbildung links schlüsselt noch einmal etwas näher auf, wie lange Sie für die einzelnen Schreibphasen brauchen. Die Prozentangaben sind nur dazu da, damit Sie in etwa die Relation der Phasen zueinander sehen. Um die Abbildung größer zu sehen, klicken Sie einfach darauf.

Im nächsten Teil unserer Reihe zur Zeitplanung beim Schreiben erfahren Sie, wie Sie einen Schreibprojektplan aufstellen, um Ihre Schreibzeiten in den Alltag zu integrieren und Ihre Deadline zu halten.

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