Von Franziska Nauck

Was es heißt, „einfach“ zu schreiben Teil 1 – zwei Missverständnisse

Verständlich zu schreiben heißt in erster Linie, „einfach“ zu schreiben. Das vermitteln wir in nahezu jedem unserer Seminare. Ebenso erleben wir in nahezu jedem unserer Seminare, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Aussage erst einmal mit Skepsis begegnen. Wie die Teilnehmer „einfach“ schreiben mit kindlich oder umgangssprachlich schreiben gleichsetzen; wie sie immer wieder befürchten, von den Lesern nicht ernst genommen zu werden, falls sie (zu) einfach schreiben.

Gern glauben wir, etwas müsse kompliziert klingen, damit wir Fachkompetenz zeigen. Irrtum. Es verlangt mehr Können, einen komplexen Sachverhalt „einfach“ zu beschreiben als kompliziert. Warum? Um eine Sache einfach zu beschreiben, muss sie Ihnen absolut klar sein. Mit komplizierten Formulierungen lässt sich fehlende Klarheit prima vernebeln. Erst eine einfache Beschreibung offenbart, wo vielleicht Sprünge in der Logik sind oder Zusammenhänge nicht ganz stimmen.

Doch was ist der Unterschied zwischen „einfach“ und „umgangssprachlich“? Zwischen „einfach“ schreiben und „kindlich“ schreiben?

Missverständnis Nr. 1:
Einfach geschriebene Texte klingen umgangssprachlich

Falsch. Einfach zu schreiben heißt: geläufige Wörter zu verwenden, bevorzugt kurze, konkrete Wörter, die ein Bild erzeugen. Es heißt nicht, umgangssprachliche Wörter zu benutzen.

Hier eine kleine Übersicht, um den Unterschied klar zu machen.

einfach / geläufig umgangssprachlich
ziellos umherfahren rumgurken
rasen brettern
sehr erschöpft völlig fertig
das ist mir gleich das ist mir egal / wurscht
sehr absolut, voll, völlig, echt …
Lust haben auf Bock haben auf
Er schreibt nicht gern. Er hat es nicht so mit dem Schreiben.
Missverständnis Nr. 2:
Einfach zu schreiben heißt, kindlich zu schreiben.

Auch das ist falsch. Einfach zu schreiben heißt ja nicht, wie Sie in der dritten oder vierten Klasse geschrieben haben, dieser „Und dann und dann und dann“-Erzählstil zum Beispiel. Es heißt aber: So zu schreiben, dass es Ihr Leser ohne große Anstrengungen versteht.

Es heißt, nicht mit Fachbegriffen um sich zu werfen, sondern zu schauen, ob es nicht gängige Alternativen gibt. Würden Sie für ein Kind schreiben, würden Sie immer vorher überlegen, ob es das Wort bereits kennt. Warum tun Sie dies nicht auch für Ihre erwachsenen Leser?

Jetzt kommt oft der Einwand: Aber meine Leser sind alle vom Fach. Das mag sein. Trotzdem beschweren sich auch Experten nicht, wenn ein Fachbegriff eingeführt oder ein konkretes Beispiel zur Illustration genutzt wird. Sie werden auch nicht aus Ihrem Text aussteigen, weil er zu verständlich ist.

Probieren Sie es aus

Machen Sie einmal folgendes Experiment: Beschreiben Sie in einem Text einen typischen Arbeitstag. Stellen Sie sich als Leser Ihre Chefin vor. Beschreiben Sie im zweiten Schritt den selben Arbeitstag für ein 10-jähriges Kind. Vergleichen Sie beide Texte. Was fällt Ihnen auf?

Vermutlich haben Sie im ersten Text längere Sätze verwendet, abstrakte Begriffe, viele passive Formulierungen und Substantivierungen.

Und der zweite Text? Finden Sie, er ist „kindlich“ geschrieben? Wir vermuten eher, er ist besser verständlich als der erste Text, weil Sie eher aktiv schreiben, konkrete Wörter benutzen und Dinge erklären. Haben wir unrecht? Schicken Sie uns Ihre Texte und wir kommentiern sie für Sie.

Das ist natürlich noch nicht alles, was einen Text „einfach“ macht. Im nächsten Newsletter beschäftigen wir uns damit, warum „einfach“ zu schreiben vor allem heißt, klare, kürzere Sätze zu formulieren – und wie das geht.

Bis dahin: Herzliche Grüße

Nadja Buoyardane und Franziska Nauck

 

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