Von Nadja Buoyardane

Verzichten Sie auf das Wort „leider“ – dann wirken Ihre Texte positiver

Leider geht es heute um ein ernstes Thema. Das Wort leider.

So! Vermutlich hat Sie dieser Einstieg erschreckt und Ihre Stimmung heruntergezogen. Das ist die unmittelbare Wirkung des Wortes leider, insbesondere wenn es den Einstieg in einen Text bildet. Und leider, leider, leider benutzen wir leider viel zu oft beim Schreiben.

Ohne leider klingt es positiver 

Das Wort leider schleicht sich fast automatisch ein, wenn wir jemandem eine Erwartung nicht erfüllen können bzw. etwas bedauern. Damit schaffen wir sofort eine negative Stimmung, die dem Anlass häufig gar nicht angemessen ist, weil sie dem Negativen ein viel zu großes Gewicht verleiht. Bedauern Sie also nur, wenn es wirklich etwas zu bedauern gibt. In allen anderen Fällen: Stehen Sie einfach dazu, dass Sie etwas nicht leisten können.

Ein Beispiel:

Angenommen, ein Kunde bittet Sie um einen Gesprächstermin, doch der angefragte Termin passt Ihnen nicht. Nun können Sie antworten:

Leider bin ich vom 15. bis zum 25. Januar im Urlaub. Ich kann Ihnen daher erst danach einen Termin anbieten. Zum Beispiel gleich am Montag, dem 28. Januar, um 10 Uhr. 

Was haben Sie damit erreicht? Mit dem leider haben Sie Ihr Gegenüber direkt auf das Negative eingestimmt: Sie können ihm nicht bieten, was er wünscht. Und das betonen Sie. Dass Sie ihm gleich darauf einen Ausweichtermin anbieten, wirkt nun nur noch wie ein Trostpreis.

Und offen gesagt: Ihr Gegenüber wird Ihnen nicht abnehmen, wenn Sie schreiben, dass Sie leider im Urlaub sind.

Natürlich soll das leider nur ausdrücken, dass es Ihnen leidtut, den angefragten Termin nicht anbieten zu können. Das können Sie aber auch weniger negativ formulieren. Schreiben Sie einfach:

Vom 15. bis zum 25. Januar bin ich im Urlaub. Anschließend können wir uns gleich zusammensetzen: Wie wäre es am Montag, dem 28. Januar, 10 Uhr?  

Wenn Sie es so schreiben, wirkt der Ausweichtermin schon nicht mehr wie ein Trostpreis, sondern einfach wie ein alternativer Terminvorschlag.

Leider kann auch vorwurfsvoll klingen

Ein anderes Beispiel:

Leider konnte ich Sie gerade telefonisch nicht erreichen. Deshalb wende ich mich nun per E-Mail an Sie.

Diese Formulierung klingt sogar wie ein Vorwurf. Dahinter lässt sich lesen: „Warum sind Sie denn während der Arbeitszeit nicht erreichbar?“ Noch schlimmer ist es, wenn Sie einen Telefontermin vereinbart hatten, den Ihr Ansprechpartner vergessen hat. Dann kommt der Vorwurf erst richtig zur Geltung und lässt den anderen mit einem schlechten Gefühl zurück. Denn bei diesem kommt an: „Wir hatten doch ausgemacht, heute um 11 Uhr zu telefonieren. Haben Sie das etwa vergessen, Sie Schluderer?“

Dabei wollen Sie in beiden Fällen ihr Gegenüber ja nur – sachlich?– darüber informieren, dass Sie angerufen haben. Der Vorwurf fällt weg, wenn Sie darüber hinwegsehen und einfach schreiben:

Telefonisch habe ich Sie gerade nicht erreicht, deshalb sende ich Ihnen die wichtigsten Informationen hier schon einmal per E-Mail. … – So kommen Sie völlig ohne leider aus.

Noch zwei Beispiele 

Lassen Sie uns unseren Punkt an zwei weiteren Beispielen verdeutlichen:

Mit leider:

Leider können wir Ihren Wunsch nicht erfüllen. Können wir stattdessen etwas anderes für Sie tun?

Ohne:

Ihren Wunsch können wir Ihnen nicht erfüllen. Können wir stattdessen etwas anderes für Sie tun? 

Sie merken: Die Beispiele sind fast identisch. Bis auf das leider. Ohne klingt der Satz viel positiver – weil Sie Ihr Gegenüber nicht auf das stoßen, was Sie nicht bieten können, sondern der Alternativvorschlag gleichwertig danebensteht.

Oder:

Leider kann ich Ihnen nur allgemeine Informationen zu dem Thema geben. Für eine konkrete und rechtssichere Antwort wenden Sie sich bitte an einen Anwalt. 

Hier klingt der Satz durch das leider fast so, als würde sich der Schreibende schämen, keine Antwort geben zu dürfen. Nur und kann verstärken diese Wirkung noch. Ohne leider und mit einer kleinen Umstellung der Wörter klingt es positiver und selbstbewusster:

Gern gebe ich Ihnen allgemeine Informationen zum Thema. Für eine konkrete und rechtssichere Antwort wenden Sie sich bitte an einen Anwalt. 

Wann passt leider

Natürlich gibt es auch manchmal Situationen, in denen leider passt. Nämlich dann, wenn Sie wirklich etwas bedauern und es keine Alternative gibt.

In der Bäckerei hatten sie leider keinen Käsekuchen mehr. 

Sie hatten sich schon so auf den Käsekuchen gefreut und es sollte wirklich nur Käsekuchen sein.

Oder:

An Ihrer interessanten Veranstaltung können wir leider nicht teilnehmen, da wir selbst an diesem Tag auf einer Geschäftsreise sind.  

Hier gibt es zunächst einmal keine befriedigende Alternative. Auch wenn wir es im nächsten Jahr vielleicht zu dieser Veranstaltung schaffen, bedauern wir ehrlich, dass es diesmal nicht klappt.

Oder:

Unser Seminar ist bereits komplett ausgebucht. Deshalb kann ich Ihnen für diesen Termin leider keinen Platz mehr anbieten. 

Auch hier kann ich anschließend zwar das nächste Seminar vorschlagen, dennoch bedauere ich hier ehrlich, der Interessierten ihren Wunsch jetzt nicht erfüllen zu können.

Wichtig in allen echten leider-Fällen: Versuchen Sie, erst einmal zu schreiben, worum es geht und das leider weiter hinten im Satz zu platzieren. Wenn das leider später kommt, wird seine negative Wirkung immerhin abgeschwächt.

Nun sind wir leider schon am Ende dieses Blogartikels (Was!? Wirklich!? Oh nein! Tiefempfundenes Bedauern …)

Herzlichst,

Nadja Buoyardane und Franziska Nauck

 

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