Von Franziska Nauck

Schreiben unter Zeitdruck – drei typische Fehler und wie Sie diese vermeiden

Kürzlich durfte ich, Franziska, ehrenamtlich eine Pressemitteilung schreiben. Da diese zack, zack rausmusste und es zudem auch noch vieles andere zu tun gab, hatte ich dafür nur sehr wenig Zeit.

So dachte ich mir, ich muss ja das Fahrrad nicht neu erfinden, sondern lasse mir eine Pressemitteilung zum fast gleichen Thema aus einer anderen Arbeitsgruppe als Vorlage schicken. Dazu noch ein paar Textbausteine von der Website der Organisation – klare, einfache Sache. Dann würde es sicher ganz schnell gehen … Ein echter Anfängerfehler, wie sich später zeigte.

Und ein guter Anlass, über weitere Fehler beim Schreiben unter Zeitdruck nachzudenken – und Ihnen ein paar Gegenmaßnahmen zu zeigen.

 

Fehler Nummer 1: Einfach drauflosschreiben

Unter Zeitdruck einen knackigen, überzeugenden Text zu schreiben, ist vor allem für Strukturschaffer eine echte Herausforderung. Denn einfach mal draufloszuschreiben und mal zu schauen, was dabei rumkommt, funktioniert hier nicht. Für langes Umstellen, Kürzen und Nochmal-Schreiben fehlt uns die Zeit.

>> Gegenmaßnahme 1: Planen Sie gut.

Überlegen Sie sich hier besonders konsequent und genau: An wen schreiben Sie Ihren Text? Was genau möchten Sie mit Ihrem Text erreichen?

Vielleicht können Sie jetzt ein Gähnen nicht unterdrücken, weil wir immer wieder darauf herumreiten. Aber wir wissen schon, warum! 😉 Sie sollten sich hier schon vor dem eigentlichen Schreiben ganz besonders klar über beide Dinge sein.

 

Fehler Nummer 2: einen Text aus bestehenden Textbausteinen basteln

Wie oben beschrieben: Auch wir tappen immer mal wieder in diese ach so verlockende Falle: „Ui, da gibt es ja schon einen sehr ähnlichen Text, den muss ich nur hier und da ein bisschen anpassen und umstellen, und dann habe ich ratzfatz meinen Text.“

Warum das am Ende mehr Arbeit macht?

Hier meine Erkenntnis: Mein erster Fehler bestand darin, mich sofort ins Formulieren gestürzt und damit fraglos die Textstruktur übernommen zu haben. Es sollte ja schnell gehen … Doch dann merkte ich, dass ich den Text entsprechend meiner Botschaft ganz anders aufbauen würde.

Weil ich einen Schritt übersprungen hatte, fiel mir dies erst auf, nachdem ich schon einige Zeit geschrieben hatte. Was im ersten Moment Zeit zu sparen versprach, führte also zu mehr Arbeit. Als ich dann auch noch merkte, dass ich einige Inhalte komplett austauschen musste, wurde mir klar, ich musste noch mal von vorn anfangen. Fazit: doppelte Arbeit und Frust.

Das heißt ja nicht, dass Sie überhaupt nicht mit bestehenden Texten arbeiten dürfen! Tun Sie es aber bitte nur inhaltlich.

>> Gegenmaßnahme 2: Sammeln Sie alle Ideen in einem Cluster – und nutzen Sie dabei auch bestehende Texte

Wissen Sie noch, wie das mit dem Clustern war? Falls nicht, wir haben in einem früheren Blogbeitrag das Clustern beschrieben.

Gerade wenn Sie in Eile sind, ist ein Cluster Gold wert. Sie brauchen nur drei, vier Minuten, in denen Sie alle wichtigen Punkte um Ihr Kernwort gruppieren und sehr schnell merken, welche Punkte für Ihren Text wirklich wichtig sind. Das ist auch die Stelle, an der Sie bereits vorhandene Ideen aufnehmen können – aber in Ihrer eigenen Struktur und mit Ihren eigenen Formulierungen.

Der nächste Schritt nach dem Clustern ist deshalb, dass Sie Ihre Ideen in einen schlüssigen Aufbau bringen – und sich dabei nicht am bestehenden Text orientieren.

 

Fehler Nummer 3: Über dem Text brüten – allein im stillen Kämmerlein

Diesen Fehler immerhin habe ich bei der Pressemitteilung vermieden. Dazu weiß ich einfach viel zu gut, wie viel Zeit es spart, wenn eine zweite Person möglichst früh über den Text schaut.

Denn einen Großteil der Zeit beim Schreiben verplempern wir mit dem Unsicher-Sein darüber, ob unser Text wirklich gut ist. Ob ich nicht hier das lieber so formuliere und dort vielleicht noch etwas ergänze – ach, vielleicht doch lieber nicht, sondern eher an der anderen Stelle … ein Hin und Her und Grübeln und Zaudern – und der Text wird dadurch selten besser.

>> Gegenmaßnahme 3: Text zügig herunter schreiben und frühes Feedback holen

Mit meiner verkorksten Strategie fiel es mir am Ende nicht mehr leicht, mich von den Vorlagen zu lösen und zu entscheiden, welche Punkte für mein Kommunikationsziel unverzichtbar waren und was ich getrost weglassen konnte. Hatte ich vielleicht sogar wesentliche Aspekte gar nicht im Blick, weil ich so an den Vorlagen klebte?

Ich war noch nicht zufrieden mit dem Text, aber ich wusste, dass ich das aus eigener Kraft unter dem Zeitdruck auch nicht mehr werden würde. Zum Glück hatte ich Nadja vorher schon gefragt, ob sie mir Feedback gibt. Hat sie natürlich – und dabei sofort erkannt, dass der Text ein bisschen zusammengeschustert war und nicht aus einem Guss. Da sie aber die Vorlagen nicht kannte, konnte sie frei und unbefangen eine runde Endfassung aus dem Text machen.

So machen wir das übrigens auch jede Woche mit unserem Newsletter. Andernfalls gäbe es ihn nicht …

Wenn Sie wieder einmal unter Zeitdruck einen Text produzieren, probieren Sie die drei Maßnahmen aus. Wir freuen uns auf Ihren Erfahrungsbericht!

Herzlichst,

Franziska Nauck und Nadja Buoyardane

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