Von Franziska Nauck

Schreiben im Team – 5 Tipps zum Erfolg

Bild: Fotolia_shock

Schreiben ist ein einsames Tun, so der Mythos. Dabei kann Teamwork viele Vorteile bringen. Doch was ist bei der Organisation zu beachten? Fünf Tipps für den Schreiberfolg.

Jedes Unternehmen hat seine eigene Sprache, die „Corporate Language“. Das bedeutet: Unternehmenstexte sollen die Adressaten zu einer bestimmten Handlung oder Entscheidung bewegen und gleichzeitig ein eindeutiges Image des Unternehmens kommunizieren. Häufig jedoch sind Texte aus demselben Hause in Qualität und Tonalität uneinheitlich – je nach persönlichem Stil und Schreibkompetenz des Autors. So verfehlen sie die gewünschte Wirkung.
Die Lösung dafür könnte lauten: Schreiben im Team. Das bietet gleich mehrere Vorteile. Erstens wird das Unternehmen insgesamt zu einer stimmigeren Kommunikation gelangen, da Ziele und Adressaten der Texte gemeinsam im Team definiert werden. Zweitens werden die Stärken der einzelnen Kollegen gezielt eingesetzt, denn bei einem Schreibprojekt, wie bei jedem anderen Projekt, werden ganz verschiedene Kompetenzen gebraucht. Drittens kann der Text durch fundiertes inhaltliches Feedback aus der Gruppe zur mehr fachlicher Tiefe und Substanz gelangen.

Fünf Tipps, wie das Schreiben im Team gelingt

Tipp 1: Mit einer Stimme schreiben
Klären Sie im Team, welches Ziel Sie mit dem Text erreichen, in welcher Tonalität Sie sich präsentieren und welche Zielgruppe Sie ansprechen wollen. Wer allein am Schreibprojekt sitzt, neigt leicht dazu, solche Vorüberlegungen zu übergehen. Die Antwort auf diese Fragen aber wirkt sich nicht nur auf Ihren aktuellen Text, sondern auf Ihre schriftliche Kommunikation insgesamt aus. Für jeden Text muss klar sein, mit welcher Haltung Sie Ihren Lesern begegnen wollen: Wollen Sie neutral auftreten, als Experten im Hintergrund oder wollen Sie selbstbewusst Position beziehen und Veränderungen anstoßen? Wollen Sie informieren oder etwas verkaufen? Wenn Sie diese Fragen eindeutig beantwortet haben, sprechen Sie mit einer gemeinsamen Stimme – die Grundlage für eine stimmige Kommunikation. Bestimmen Sie nun einen federführenden Autor, der Gliederung und Text entwirft und die einzelnen Schritte beim Schreiben koordiniert.

Tipp 2: Bei der Recherche aus dem Vollen schöpfen
Im nächsten Schritt sammeln Sie Material für Ihren Text: Ideen, harte Fakten, Zahlen, Hintergrundwissen, Praxisbeispiele, Textbausteine, Grafiken. Schöpfen Sie hier aus dem Vollen und überlegen Sie gemeinsam, wer welche Inhalte beitragen kann. Stimmen Sie ab, bis wann diese an den federführenden Autor geliefert werden sollen. Sicher gibt es einen Kollegen in Ihrem Team, der besonders gern recherchiert und immer die interessantesten Informationen findet.

Tipp 3: Feedback – schon früh im Schreibprozess
Wenn Sie anschließend eine Struktur für Ihren Text entwickelt haben, holen Sie sich hier schon das erste Mal Feedback bei Ihren Teamkollegen: Zieht sich der rote Faden durch? Ist Ihr Argumentationsgerüst schlüssig? Steht das Wichtigste am Anfang, sodass der Leser es nicht verpassen kann? Hier kommt die Kollegin mit dem besonders analytischen Blick zum Zuge. Warten Sie also nicht zu lange mit der Bitte um Feedback – Sie können sich eine Menge Arbeit ersparen, wenn Sie es schon früh im Schreibprozess einholen.

Tipp 4: Rohtext verfassen
Nun steht die Struktur und Sie können Ihren Rohtext „runterschreiben“. Schreiben Sie zügig und machen Sie sich dabei klar, dass anschließend Ihre Kollegen den Text noch einmal intensiv unter die Lupe nehmen werden. Das heißt, Sie können sich jetzt vollkommen auf den Inhalt konzentrieren und diesen, ohne Anspruch auf Perfektion, einfach aufs Papier bringen.

Tipp 5: Fachliche Tiefe und Substanz
Abschließend nutzen Sie noch einmal die volle Kraft des Teams – zum Überarbeiten. Gehen Sie hierbei in zwei Schritten vor: Lassen Sie sich zuerst Feedback zu Inhalt und Struktur geben. Hierzu dürfen sich alle Teamkollegen äußern. Dabei kommt es gelegentlich zu Widersprüchen zwischen den einzelnen Rückmeldungen. Nutzen Sie diese als Chance, möglichen Ungereimtheiten auf den Grund zu gehen. Sie werden dadurch Fragen klären, die Sie beim Schreiben allein vielleicht übergangen hätten. Dadurch gelangen Sie zu größerer fachlicher Tiefe und Substanz. Erst im zweiten Überarbeitungsschritt dürfen die besonders Sprachbegabten mit dem Adlerblick fürs Detail an Stil und Rechtschreibung feilen.
Das Ergebnis: Ihr Text profitiert von den Stärken der Teamkollegen, die gesamte schriftliche Kommunikation gewinnt an Stimmigkeit und jeder im Team kann sich Tricks und Strategien fürs eigene, kompetente Schreiben abschauen.

Schreiben im Team: der Feedback-Wunschzettel

Eine gute Möglichkeit, um konstruktives Feedback aus dem Team zu erhalten, hat die Schreibberaterin Dr. Eva-Maria Lerche entwickelt: den Feedback-Wunschzettel. Folgende Angaben sollte dieser enthalten:
– Überschrift des Textes
– Textziel und Zielgruppe
– Ist der Text eine Ideensammlung, ein erster Entwurf oder bereits final überarbeitet?
– Wozu ist Feedback gewünscht: Inhalt, Struktur, Stil, Rechtschreibung?
– An welchen Textstellen gibt es Unsicherheiten?
– Worauf sollte der Feedbackgeber besonders achten

Mit einem solchen Wunschzettel erleichtern Sie den Feedbackgebenden ihre Aufgabe und erhalten höchstwahrscheinlich ein Feedback, das Ihrem Bedarf entspricht.

 

 

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