Von Franziska Nauck

Mehr Mut zum Doppelpunkt: mehr Lesbarkeit!

Wir möchten Sie ermutigen: Nutzen Sie öfter den Doppelpunkt!

Der Doppelpunkt ist nämlich ein wahres Wunderzeichen in Sachen Leserorientierung. Im Gegensatz zu Punkt, Komma und Semikolon trennt er nicht Sätze voneinander, sondern verbindet sie.

Doch er kann noch mehr: Er erzeugt Spannung, indem er uns zwingt, beim Lesen kurz innezuhalten. So lenkt er unsere Aufmerksamkeit auf das, was folgt.

Wo können Sie den Doppelpunkt überall einsetzen?

1. Der Doppelpunkt kündigt etwas an

Der Doppelpunkt ist das Universalwerkzeug für Ankündigungen.

Beispiele: ((Psst, Sie sehen, hier kündigt der Doppelpunkt an, dass nun die Beispiele folgen.))

William Shakespeare schrieb: „Der Narr hält sich für weise, aber der Weise weiß, dass er ein Narr ist.“
Im Grundgesetz heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

In den oberen Beispielen folgen nach dem Doppelpunkt jeweils Zitate. Das ist wahrscheinlich die geläufigste Art, den Doppelpunkt einzusetzen.

Aber genauso kann der Doppelpunkt vor Aufzählungen, Angaben, Erläuterungen, Titel usw. stehen und diese damit ankündigen.

Beispiele:

Wir planen für Sie: Hochzeitsfeiern, Firmenevents, Kindergeburtstage, Jubiläen aller Art.

Die aktuelle Ausstellung im Museum für Moderne Kunst heißt: Weil ich nun mal hier lebe.

 

2. Der Doppelpunkt kürzt und strafft Ihre Sätze

Der Doppelpunkt kann Ihnen auch helfen, schnell und unkompliziert zum Punkt zu kommen.

Beispiel:

Ein Jahr lang hat sie ohne Pause gearbeitet. Die Folge: Sie ist total erschöpft.

Zum Vergleich: Ohne Doppelpunkt bräuchten Sie mehr Wörter, um den logischen Zusammenhang der Sätze zu verdeutlichen. Das würde dann in etwa so klingen:

„Ein Jahr lang hat sie ohne Pause gearbeitet. Die Folge davon ist, dass sie vollkommen erschöpft ist.“

Der Doppelpunkt hat hier die etwas umständlichere Konstruktion mit „dass“ ersetzt. Durch den Doppelpunkt vermeiden Sie zudem, die eigentliche Aussage „sie ist vollkommen erschöpft“ in den Nebensatz zu setzen und ersparen sich das wiederholte „ist“ am Ende des zweiten Satzteils.

Ein zweites Beispiel:

Obwohl er drei Wochen im Urlaub war, hat er sich nicht richtig erholt. Der Grund: Wegen der Hitze konnte er nur sehr schlecht schlafen.

Dieses Beispiel würde ohne Doppelpunkt etwa so klingen:

Obwohl er drei Wochen im Urlaub war, hat er sich nicht richtig erholt. Der Grund war die Hitze, wegen der er nur sehr schlecht schlafen konnte.

Merken Sie den Unterschied? Die zweite Formulierung ist umständlicher, da Sie hier noch einen Relativsatz brauchen. In der Doppelpunktvariante reicht Ihnen dagegen ein Hauptsatz. Automatisch wird Ihr Satz so kürzer und knackiger.

Die Wörter, die in diesem Fall vor dem Doppelpunkt stehen, nennt man „Scharnier“ – weil sie zwei Aussagen verbinden, kurz und ohne Schnörkel.

Einige weitere Scharnierwörter sind:

Die Folge: / Das Problem: / Die Krux: / Der Clou: / Der Nachteil: / Der Vorteil:
Das heißt: / Hinweis: / Wichtig: / Denn: / Aber:

 

3. Mit dem Doppelpunkt klingt es mündlicher

Wir empfehlen ja gern: „Schreiben Sie, wie Sie sprechen!“ Auch dabei hilft der Doppelpunkt.

Beispiel:

Hohe Konzentrationsfähigkeit und starkes Durchhaltevermögen führen dazu, dass der Blogbeitrag zügig fertiggestellt wird.

Das ist lang und umständlich. Gekürzt klingt es so:

Konzentriert bleiben und durchhalten: So stellen Sie Ihren Blogbeitrag zügig fertig.

Der Doppelpunkt reicht aus, um den kausalen Bezug zwischen den Sätzen herzustellen.

 

4. Mit dem Doppelpunkt erzeugen Sie Spannung

Der Doppelpunkt lässt uns beim Lesen kurz innehalten. Damit können Sie auch spielen und bewusst steuern, wo Ihr Leser eine Lesepause macht.

Beispiel:

Plötzlich hörte er ein Geräusch hinter sich. Er wirbelte erschrocken herum und sah: ein Kätzchen.

Jetzt sind Sie dran. Schauen Sie einen Ihrer Texte durch und überlegen Sie, wo Sie mit einem Doppelpunkt mündlicher, knackiger oder spannender formulieren können.

Schicken Sie uns Ihre Beispiele!

Herzlichst,

Franziska Nauck und Nadja Buoyardane

 

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