Von Fabian Raschke

Kondolieren im Geschäftsleben

 

Seit kurzem schreibe ich als Texterin für einen neuen Kunden: ein Bestattungsunternehmen. „Uaah“ sagten einige meiner FreundInnen als sie dies hörten. Ein Bestattungsunternehmen! Da geht es um Tod und Trauer, um Schmerz und Leid. Themen also, die wir allzu gerne verdrängen, die uns jedoch immer einholen – sowohl im privaten als auch im Berufsleben.

Lassen Sie beim Kondolieren Ihr Herz sprechen – auch im Business

Immer wieder kommt es vor, dass man einem Geschäftspartner, einer Dienstleisterin, einem Kollegen sein Beileid ausdrücken möchte. Meist steht man dann ziemlich hilflos da und hat Angst, jemanden mit seinen Sätzen vielleicht zu nahe zu treten.

Natürlich ist nicht jeder Mensch gleich, aber ich bin der Überzeugung: Sie können jemanden mit einer ehrlich gemeinten Trauerkarte nicht zu nahe treten. Die meisten Menschen finden es tröstend, wenn andere Menschen Anteil an ihrem Schmerz nehmen.

Was gehört in ein Kondolenzschreiben?

Doch was tun, wenn man verzweifelt vor der leeren Karte sitzt und nicht weiß, wie man anfangen soll? Hier sind ein paar Punkte, an denen Sie sich entlang hangeln können:

  • Der Name:
    Klar ist, dass Sie den Trauernden, die trauernde Familie mit Namen ansprechen sollten. Falls Sie diesen nicht wissen, fragen Sie nach. Es ist heute nicht mehr selbstverständlich, dass Partner und alle Familienmitglieder den gleichen Namen tragen
  • Die Anrede
    Ein Trauerschreiben ist etwas Persönliches. Wählen Sie daher auch eine persönliche Ansprache, wie „Liebe Frau Müller“. Auch wenn Sie Frau Müller eventuell nicht persönlich kennen wäre „Sehr geehrte Frau Müller“ zu förmlich.
  • Die Einleitung
    Sie wissen nicht, wie Sie anfangen sollen? Gehen Sie einfach auf die Situation, den Tod ein. Sie haben Angst, jemanden dann noch mal direkt an den Tod zu erinnern? Keine Sorge, das können Sie nicht. Der andere denkt sowieso die ganze Zeit daran. Vielleicht schreiben Sie daher einfach darüber, wie Sie von dem Tod erfahren haben oder bedanken sich, dass man Sie informiert hat, so dass Sie Anteil nehmen können.
  • Ihre Anteilnahme:
    Bringen Sie Ihre Anteilnahme zum Ausdruck. Sagen Sie einfach, was Sie fühlen. Ein Kondolenzbrief ist ein sehr persönlicher Text, da dürfen Sie offen zugeben, wenn Sie von der Nachricht geschockt sind, Sie traurig sind oder es Ihnen schwer fällt, die richtigen Worte zu finden.
  • Würdigen Sie den Verstorbenen
    Wenn Sie den Toten persönlich gekannt haben: Lassen Sie vor Ihrem geistigen Auge Situationen vorbeiziehen, die typisch waren für ihn oder sie. Erinnern Sie sich an besondere Verdienste und Dinge, die sie verbunden haben und die kleinen, liebenswerten Eigenheiten, die diesen Menschen so einzigartig gemacht haben. Zum Beispiel „Er wird mir fehlen, wie er immer mit wehendem Schal als letzter in den Besprechungsraum hetzte.“ Oder „Luises Fachkenntnis hat mich immer wieder beeindruckt. Mit scharfem Blick entdeckte sie jeden kleinen Fehler in meinen Analysen.“
  • Gehen Sie auf die Gefühle der Hinterbliebenen ein
    Da geht es gerade jemandem schlecht. Und das darf man auch thematisieren, zum Beispiel „Ihren Schmerz können wir kaum ermessen“, „Wir können nur ahnen, welch unglaublichen Schmerz Sie gerade durchleben.“Allerdings wäre ich vorsichtig mit Sätzen wie „Ich weiß, wie Sie sich fühlen. Auch ich habe vor einigen Jahren meine Mutter/meinen Vater/ meinen Onkel verloren“. Sie wissen nicht, wie es in einem anderen aussieht, sie können es nur ahnen. Außerdem haben die Trauernden gerade nicht den Kopf auch noch von Ihren Verlusten zu lesen, schließlich stecken sie tief in ihrem eigenen Schmerz.
  • Sinnsprüche und Gedichte
    Wenn Sie ein Gedicht, ein Lied oder einen Sinnspruch haben, der passt – aber ich meine, wirklich passt – dann können Sie natürlich auch diesen in den Text einfügen. Allerdings schreibe ich dazu unten noch mehr.
  • Gute Wünsche oder Zuspruch
    Beschließen Sie den Brief am besten mit guten Wünschen für die Hinterbliebenen. Wünschen Sie diesen Kraft, Trost oder was immer Sie persönlich diesen mitgeben wollen. Hier gilt: Das was Ihnen helfen würde, hilft wahrscheinlich auch den anderen.Bei nahestehenden Personen können Sie natürlich auch gerne Ihre Hilfe anbieten. Zum Beispiel, dass Sie in den kommenden Tagen die Arbeit der trauernden Kollegin übernehmen werden, so dass diese nicht später vor einem vollen Schreibtisch steht oder dass Sie auch gerne für ein Gespräch zur Seite stehen.

Fertige Trauersprüche und Karten – besser als nichts. Wenn es passt

Ich persönlich bin keine Freundin von fertigen Sprüchen und Karten. Denn 08/15-Trauersprüche mit Copy und Paste eingefügt bewirken beim Empfänger häufig das Gegenteil, von dem was man ausdrücken will: Er fühlt sich nicht in seiner Trauer wahrgenommen. Ich denke daher: lieber einen vielleicht etwas holprig formulierten selbstgeschriebenen Text, mit dem Sie zeigen, dass Ihr Mitgefühl echt ist, als ein abgedroschener Spruch.

Aber manchmal fehlen einem tatsächlich gänzlich die Worte. Dann können Sie natürlich auch auf fertige Trauersprüche zurückgreifen. Aber: Achten Sie bitte darauf, dass diese zum Verstorbenen bzw. den Hinterbliebenen auch passen. Einen christlichen Psalm an einen streng gläubigen Muslim oder einen bekennenden Atheisten zu schicken, ist nicht nur unpassend, sondern auch wenig tröstlich und kann so aufgefasst werden, als ob Sie sich keine Gedanken um den Empfänger gemacht haben.

Ein letztes: Schreiben Sie mit der Hand

Auch wenn es kaum noch Dinge gibt, die wir mit der Hand schreiben: Eine Kondolenzkarte oder –brief wirkt handschriftlich einfach persönlicher.

Falls Sie am liebsten am Computer schreiben, weil Sie dann korrigieren können: Entwerfen Sie den Text am Computer und schreiben Sie ihn dann mit der Hand ab.

Zusammengefasst: Ein Kondolenzschreiben sollte keine lästige Pflicht sein, sondern wirklich von Herzen kommen. Es sollte offen und ehrlich sein und darf (und sollte) auch Ihre eigenen Gefühle widerspiegeln. 

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