Von Nadja Buoyardane

Können Sie gut zuhören? – Warum gute Zuhörer besser schreiben

Wie oft sind Sie bei einem Gespräch schon im Kopf mit Ihrer Antwort beschäftigt, während der:die andere noch redet? Wie oft warten Sie auf ein längeres Luftholen Ihres Gesprächspartners, um selbst das Wort zu ergreifen?

Und wie oft haben Sie umgekehrt das Gefühl, Ihr Gesprächspartner hört Ihnen nicht richtig zu, ist nicht wirklich bei der Sache oder möchte nur die eigene Position anbringen?

Seien wir ehrlich: Beides geschieht ständig. Woran das liegt? Wir sind meist besser im Reden als im Zuhören. Dabei kann nur, wer gut zuhört, sich auf sein Gegenüber einstellen.

Was gut zuhören zu können mit Schreiben zu tun hat

Ich, Nadja, habe Kulturanthropologie studiert. An der Uni Frankfurt bedeutet das empirische Kulturwissenschaft. Das heißt, wir sind hinausgegangen „ins Feld“ und haben vor Ort geforscht: indem wir die Menschen in ihren Verhaltensweisen beobachteten und mit ihnen sprachen.

Unser Ziel war es herauszufinden, was die Menschen bewegt, wie sie die Welt sehen, was sie als selbstverständlich annehmen und was für sie außerhalb des Vorstellbaren liegt.

Es gingt darum, was sie uns erzählten – und darum was sie uns NICHT erzählen. Wir lernten, Mimik, Körpersprache und Worte parallel zu lesen und daraus unsere Schlüsse zu ziehen.

Für unsere Interviews entwickelten wir vorab einen Frageleitfaden, damit wir im Gespräch nichts vergessen. Doch, und das war ein wesentlicher Punkt, der uns vermittelt wurde: Ein Frageleitfaden dient nur als Gedächtnisstütze. Sein Sinn ist NICHT, ihn einfach im Kopf abzuhaken.

Viel wichtiger ist es, den Menschen aktiv zuzuhören und wirklich ins Gespräch zu kommen. Dann ergeben sich viele Fragen ganz von selbst – oftmals sind diese Fragen sogar spannender als das, was wir uns vorab ausgedacht haben.

Und, bei den Interviews war vor allem eines wichtig:

Mit den Menschen in Beziehung zu treten und sie in ihrer Lebenswelt wertschätzen.  

Und hier kommen wir nun zum Schreiben. Mit einem guten Text treten Sie mit Ihren Leser:innen in Beziehung. Je besser Ihnen dies gelingt, umso überzeugender werden Ihre Texte. Doch damit Ihnen das gelingt, müssen Sie sich in sie hineinversetzen können.

Das trainieren sie durch Zuhören. Wenn Sie zuhören, werden Sie mit der Zeit empathischer – eine wichtige Eigenschaft, um gute Texte zu schreiben.

Ihr Text ist ein Gespräch mit Ihren Leser:innen. Nur dass Sie eben deren Fragen nicht hören können. Sondern Sie überlegen sich, welche Fragen Ihre Leser:innen zu Ihrem Thema stellen würden, wenn sie vor Ihnen säßen. Dabei hilft es, wenn Sie Menschen gut zuhören können.

Wer gut zuhören kann, ist offen. Er:sie erkennt in dem Gesagten nicht nur Dinge wieder, die dem eigenen Weltbild entsprechen, sondern gibt sich die Chance, den eigenen Horizont zu erweitern; die Dinge mit anderen Augen zu sehen.

Dieser Perspektivwechsel ist für jede echte Kommunikation entscheidend. Dabei erkennen wir auch, was dem Gegenüber wichtig ist und lernen so mit der Zeit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Ein wesentlicher Vorteil.

8 Tipps, wie Sie eine bessere Zuhörerin, ein besserer Zuhörer werden

  • Nehmen Sie sich vor, wirklich nur zuzuhören und nichts zu sagen. Wer im Kopf schon die Antwort vorbereitet, hört nicht zu.
  • Nehmen Sie sich Zeit. Wer gestresst ist und andere Dinge im Kopf hat, kann sich nicht auf das Gesagte konzentrieren. Verschieben Sie das Gespräch dann lieber.
  • Zuhören ist ein „Single-Tasking“. Wer bei einem (Telefon-)Gespräch heimlich auf Twitter scrollt oder dem Krimi im Fernsehen folgt, kann nicht zuhören. Auch Aufräumen, Zähneputzen und Fitness-Übungen sind nicht damit vereinbar.
  • Zeigen Sie Interesse – indem Sie nachfragen. Fragen helfen, Verständnisprobleme zu klären. Fragen sollen allerdings nicht dazu dienen, subtil auf Ihre eigenen tollen Ideen hinzuweisen.
  • Gute Zuhörer interpretieren nicht voreilig. Sie stellen stattdessen sicher, dass sie das Gesagte richtig verstanden haben. Zum Beispiel indem sie es in eigenen Worten noch einmal zusammenfassen. Außerdem fragen sie nach, wenn sie etwas nicht verstanden haben.
  • Während der:die andere etwas erzählt, belehren Sie ihn:sie nicht. Später können Sie gemeinsam Lösungen finden. Aber zuhören heißt tatsächlich: Erst einmal nur zuhören.
  • Unterbrechen Sie nicht und vervollständigen Sie keine Sätze. Sonst erfahren Sie vielleicht nicht, was der:die andere wirklich sagen wollte.
  • Achten Sie nicht nur darauf, was Ihr:e Gesprächspartner:in sagt, sondern auch wie etwas gesagt wird: Körpersprache, Tonfall, Pausen. All das hilft Ihnen dabei zu verstehen, was in ihm:ihr vorgeht.

Nutzen Sie das Zuhören für Ihre Texte

Wenn Sie gut zuhören können, können Sie auch einschätzen, ob andere Ihnen zuhören.

Erzählen Sie über Ihr Thema – und beobachten Sie Ihre Gesprächspartnerin dabei genau. Schauen Sie, wann die Augen leer werden, wann Sie merken, dass Ihr Gegenüber geistig abschweift. Achten Sie auf die Körpersprache: Ist sie aktiv und interessiert oder zurückgelehnt und gelangweilt? Wann setzt Ihre Gesprächspartnerin an, um eine Frage zu stellen?

Wenn Menschen Ihnen nicht mehr folgen können, sehen Sie es im Dialog. Wenn Sie erkennen, wann Sie die Aufmerksamkeit eines Menschen verlieren, können Sie dies später für Ihren Text nutzen.

Fragen Sie nach, an welcher Stelle Ihre Zuhörerin den Faden verloren hat. Was sie am meisten interessiert. So erfahren Sie, wann etwas zu kompliziert ist, wann Sie zu detailliert werden, welche Stellen Ihre Zuhörerin als spannend empfand – und bei welchen sie mit den Gedanken im Urlaub war.

Wenn Sie schreiben, sehen Sie dies nicht. Ihre Erfahrung beim Zuhören hilft Ihnen jedoch, sich in Ihre Leser hineinzuversetzen.

Probieren Sie unsere Tipps aus und beobachten Sie, ob sich etwas für Sie in der Beziehung zu den Menschen, denen Sie zuhören verändert. Schildern Sie uns Ihre Erfahrungen. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

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