Von Franziska Nauck

Hauptsachen in Hauptsätze – und Nebensachen … Sie wissen schon.

Letzte Woche hieß es bei uns: Pro Satz nur eine Aussage machen. Aber was genau heißt das eigentlich? Bedeutet dieser Satz, wir sollen immer nur in Hauptsätzen schreiben? Niemals einen Nebensatz, weil in diesem doch immer eine weitere Aussage gemacht wird? Nein, natürlich nicht.

„Pro Satz nur eine Aussage“ müsste, wenn wir ganz präzise sein wollen, heißen „Pro Satz nur eine Hauptaussage machen und mit maximal einer Nebenaussage ergänzen.“

Also, Nebensätze dürfen sein. Entscheidend ist aber, was in den Nebensätzen steht. In Nebensätzen sollen nur Dinge stehen, die die Aussage des Hauptsatzes ergänzen oder diese näher definieren.

Neue und wichtige Informationen gehören in den Hauptsatz. Ebenso wie Ereignisse, die dem, was im Hauptsatz beschrieben wird, zeitlich erst folgen.

Nebensätze ergänzen die Aussage des Hauptsatzes

Schauen wir uns das am Beispiel von Relativsätzen an. Das sind die Sätze, die sich auf ein Hauptwort (auch: Substantiv) im Hauptsatz beziehen. Relativsätze sollen nur ergänzende oder unterscheidende Beschreibungen des Substantivs, auf das sie sich beziehen, enthalten.

Zum Beispiel:

Das Buch, das ich mir letzte Woche gekauft habe, habe ich schon durchgelesen. Zurzeit lese ich ein Buch, das ich mir aus der Bücherei ausgeliehen habe.

(Die Relativsätze dienen der Unterscheidung zwischen dem gekauften und dem geliehenen Buch.)

Oder:

Das Haus, in dem ich wohne, ist grün.

(Der Relativsatz definiert, um welches Haus es sich handelt.)

Manchmal wird statt einer ergänzenden Information eine wichtige Aussage im Relativsatz versteckt. Doch das führt dazu, dass diese als weniger wichtig eingestuft wird, ja, sogar untergeht.

Wichtige Aussagen brauchen einen eigenen Hauptsatz

Hier ist ein Beispiel für einen Relativsatz, in dem sich eine Hauptaussage versteckt: 2005 übernahm die Unternehmensführung der Ingenieur Michael Roth, der aber schon Ende 2005 unerwartet starb.

Im Hauptsatz steht die wichtige Information, dass Michael Roth 2005 die Führung des Unternehmens übernahm.

Im Nebensatz, der sich auf „Michael Roth“ bezieht, steht die genauso wichtige Information, dass Roth Ende 2005 starb. Zudem liegt der Tod zeitlich nach der Aussage, die im Hauptsatz getroffen wird.

Die Aussage des Nebensatzes ist also so wichtig wie die Aussage im eigentlichen Hauptsatz. Sie braucht daher einen eigenen Hauptsatz.

Deshalb besser so:

Der Ingenieur Michael Green übernahm 2005 die Führung des Unternehmens. Doch schon Ende 2005 starb er völlig unerwartet.

Was wäre denn eine echte Nebenaussage, die in einen echten Relativsatz gehört?

2005 übernahm die Unternehmensführung der Ingenieur Michael Roth, der als durchsetzungsstark bekannt war.

Die Aussage im Relativsatz beschreibt Michael Roth näher: Dieser ist durchsetzungsstark. Dies ist eine interessante Information, aber nicht so wichtig, dass sie einen eigenen Satz beanspruchen muss.

Der Partizipien-Test: So erkennen Sie, ob eine Aussage einen eigenen Satz braucht

Es gibt einen Test, mit dem Sie erkennen, ob Sie einen echten Relativsatz formuliert oder eine Hauptsache in den Relativsatz gepackt haben: Das, was im Relativsatz steht, müsste mit einem Partizip auszudrücken sein.

Wenn es dann Sinn ergibt, ist es gut, wenn nicht, sollten Sie einen zweiten Hauptsatz schreiben.

Auf das Beispiel angewandt:

Der Ende 2005 unerwartet gestorbene Ingenieur Michael Roth übernahm 2005 die Unternehmensführung.

Sie merken es wahrscheinlich selbst: Es klingt seltsam und ergibt keinen Sinn, weil die Zeitfolge verdreht ist.

Bei einem echten Relativsatz hingegen ist das anders. Aus dem Relativsatz wird:

Der als durchsetzungsstark bekannte Ingenieur Michael Green übernahm 2005 die Unternehmensführung.

Noch einmal der Test an einem anderen Beispiel:

Eine Rednerin des Panels war Ressortleiterin Hinrichs, die am nächsten Tag entlassen wurde.

In einen Satz mit Partizip umformuliert, klingt es so:

Die am nächsten Tag entlassene Ressortleiterin Hinrichs war Rednerin auf dem Panel.

Wieder: Das klingt nicht logisch. Also ist die Aussage im Relativsatz einen eigenen Hauptsatz wert. Eine Aussage, die mit einem Relativsatz funktioniert, wäre dagegen:

Eine Rednerin des Panels war Ressortleiterin Hinrichs, die in Fachkreisen einen herausragenden Ruf genießt.

Daraus wird:

Die renommierte Ressortleiterin Hinrichs war auch Rednerin auf dem Panel.

 

Mit herzlichen Grüßen

Franziska Nauck und Nadja Buoyardane

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