Von Fabian Raschke

Finden Sie Ihre eigene Schreibstimme

Fragen Sie sich manchmal, wenn Sie Ihren eigenen Text lesen, wer den Text wohl in Wirklichkeit geschrieben haben mag? Sie doch ganz bestimmt nicht. Die Worte und die Formulierungen kommen Ihnen so ungemein fremd vorkommen, dass Sie sich selbst kaum wiedererkennen.

Bei vielen Menschen gibt es einen Bruch zwischen Ihrer Sprech- und Ihrer Schreibstimme. Hier ein paar Tipps, wie Sie eine eigene, wiedererkennbare Schreibstimme entwickeln.

Schreiben Sie, wie Sie sprechen

Stellen Sie sich vor, Sie würden das, was Sie aufschreiben wollen, einem Kollegen mündlich erzählen. Was würden Sie sagen? Wie würden Sie den Sachverhalt erklären? Wahrscheinlich würden Sie beim Sprechen ganz automatisch relativ einfache Wörter und Satzkonstruktionen verwenden. Schreiben Sie den Text also genauso auf, wie Sie ihn auch sprechen würden.

Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie tatsächlich erst einmal aussprechen, was Sie schreiben wollen. Diktieren Sie sich selbst den Text. Eventuell sprechen Sie ihn auch erst einmal in ein Diktiergerät ein und bringen ihn dann zu Papier.

Verbieten Sie sich an dieser Stelle selbst, Ihre Formulierungen zu kritisieren. Hier geht es darum, erst einmal herauszuarbeiten, was Sie überhaupt sagen möchten. Nicht um perfekte Formulierungen.

Das Polieren und Feilen an Ihren Sätzen gehört zum Überarbeiten des Textes. Trennen Sie diese Arbeitsschritte bitte. Ansonsten überlasten Sie den Arbeitsspeicher Ihres Gehirns und das führt dazu, dass Sie sich selbst blockieren.

Schreiben Sie so, wie Sie sind

Jeder Mensch hat seinen ganz eigenen Charakter. Das kommt in der Art und Weise, wie wir sprechen deutlich zum Vorschein. Manche sprechen langsam und überlegt, andere viel und ausschweifend, wieder andere knapp und präzise. Die Art und Weise wie wir sprechen, ist unser Markenzeichen.

Deshalb sollten Sie auch so schreiben, wie es Ihrer Persönlichkeit entspricht. Zwingen Sie sich nicht, kurz und knapp zu schreiben, wenn Sie einen Text lieber ausschmücken wollen. Solange Sie die vorgegebene Textlänge nicht sprengen, ist das in Ordnung. Sie können außerdem später immer noch kürzen.

Umgekehrt: Wenn Sie eher wortkarg sprechen, lassen Sie auch Ihre Texte knapp – solange Sie die Inhalte nicht so verkürzen, dass man sie nicht mehr versteht.

Schreiben Sie regelmäßig

Was würde passieren, wenn Sie tage-, wochen- oder gar monatelang nicht sprechen würden? Genau. Ihre Stimme würde einrosten und Sie würden sich ganz schön kratzig anhören, wenn Sie das erste mal wieder sprechen. Genauso geht es auch Ihrer Schreibstimme. Sie sollte regelmäßig trainiert werden, damit sie schön klingt.

Das heißt: Sie sollten regelmäßig etwas schreiben. Das muss nicht viel sein. Schon ein paar E-Mails am Tag helfen Ihnen, Ihre Schreibstimme geschmeidig zu halten.

Bringen Sie mehrere Stimmen in Ihren Text ein

Vielleicht wissen Sie beim Schreiben an manchen Stellen noch nicht, wie es weitergeht, können sich mehrere mögliche Argumentationswege vorstellen oder haben Fragen oder Anmerkungen zu Ihrem eigenen Text. Bringen Sie all diese Stimmen in Ihren Text ein.

Das Schreiben am Computer ermöglicht Ihre Kommentare ganz einfach in den Text zu integrieren. Sie können zum Beispiel zwei verschiedene Argumentationsweisen einfach mal ausprobieren und nebeneinander im Text stehen lassen. Wählen Sie eine andere Schriftfarbe aus oder markieren Sie die Abschnitte mit einer anderen Hintergrundfarbe. Auch die Kommentarfunktion eignet sich wunderbar, um Ihre Anmerkungen in den Text zu integrieren.

Beim Überarbeiten sehen Sie so gleich, was Sie beim ersten Niederschreiben an dieser Stelle gedacht haben oder können noch einmal die verschiedenen Varianten durchdenken.

Finden Sie Texte, die Ihnen als Vorbild dienen

Schauen Sie beim Lesen anderer Texte genau hin: Was klingt gut? Wo gibt es Formulierungen, die steif und hölzern klingen? Und warum finden Sie etwas gut oder schlecht?

Finden Sie Texte, die Ihnen besonders gut gefallen, und nehmen Sie sie für Ihr eigenes Schreiben als Vorbild. Orientieren Sie sich an diesen Texten. Übernehmen Sie ruhig auch mal eine Formulierung, wenn Sie Ihnen gefällt.

Schreiben Sie mit Freude

Wenn Sie einfach so schreiben, wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist und wie Ihre Gedanken fließen, werden Sie bald merken, dass Schreiben richtig Spaß machen kann.

Und wenn Sie mit Spaß an der Sache schreiben, merkt dies auch der Leser beim Lesen – und liest Ihre Texte umso lieber.

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