Von Franziska Nauck

Das schlägt ja dem Fass die Krone ins Gesicht – Wie Sie Sprachbilder und Wendungen präzise benutzen

Das Tolle an Sprache, und insbesondere an der deutschen Sprache, ist, dass wir uns mit ihr sehr genau ausdrücken können.

Manchmal ist das allerdings gar nicht so einfach. Gerade bei dem Schreibtempo, das wir in unserem Arbeitsalltag häufig vorlegen (müssen?), bleibt die Präzision nicht selten auf der Strecke.

Besonders auffällig ist das, wenn Sprachbilder oder Wendungen genutzt werden. In diesen Wendungen wird fast immer einem bestimmten Nomen ein ganz bestimmtes Verb oder Adjektiv zugeordnet. Nicht selten aber geraten hier die Formulierungen durcheinander, etwa weil wir uns nicht genug Zeit nehmen, unseren Text gründlich zu überarbeiten.

Manchmal klingen zwei Wendungen auch so ähnlich, dass wir gar nicht merken, wie wir sie miteinander vermischen oder falsch schreiben. Das ist manchmal lustig, häufig aber schade, denn die Wirkung verpufft und der Text wird ungewollt komisch.

Wir haben auf verschiedenen Webseiten und Blogs ein paar dieser schiefen Wendungen – auch „Stilblüten“ – für Sie eingesammelt und kommentiert:

  • Da wird ganz häufig „der Fokus auf ein bestimmtes Thema gelegt“.
    Richtig ist: den Fokus richten oder den Schwerpunkt legen.
  • Einer Autorin „verschafft es große Mühe, Familie und Unternehmerschaft unter einen Hut zu bringen“.
    Richtig wäre: Es bereitet ihr große Mühe. „Verschaffen“ kennen wir aus einer anderen Wendung: Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuchs?
  • Jemand ist sich „darüber bewusst“, dass er noch kein klares Ziel formuliert hat.
    Richtig wäre: Er ist sich dessen bewusst.
  • Sehr häufig begegnet uns diese Verwechslung: „Meines Wissens nach verhält sich die Sache so …“ und „Meiner Erfahrung sollte man es so machen.“
    Genau anders herum wird ein Schuh draus: Meines Wissens … (ohne „nach“) und meiner Erfahrung nach
  • „Der Vortrag wurde in den Himmel gepriesen.“
    Hier wird vermischt: in den Himmel heben und hoch preisen (à hoch gepriesen).
  • „Dieses Projekt nimmt einen besonderen Stellenwert im Unternehmen ein.“
    Entweder: Es nimmt eine besondere Stellung ein. oder Es hat einen besonderen Stellenwert.
  • Manchmal hilft es, nach der Herkunft einer Redewendung zu fragen, dann schreiben wir auch nicht: „Die Feiernden haben ganz schön über die Strenge geschlagen.“
    Sondern: über die Stränge geschlagen. Das kommt von Pferden, die mit den Hinterbeinen über die Zugstränge ihres Geschirrs schlagen.
  • Eine beliebte Verwechslung liest sich so:
    „Das Onlinemarketing spielt eine große Bedeutung für seine Arbeit.“
    Richtig ist: eine Bedeutung haben oder eine Rolle spielen.
  • Eine Dienstleisterin verspricht ihren Kunden: „Ihre Bedürfnisse werden übertroffen.“
    Richtig ist: Bedürfnisse werden erfüllt, in diesem Fall also übererfüllt. Übertroffen werden Erwartungen.
  • Bei folgender Formulierung wird das Bild schief, weil die Richtungen nicht zueinander passen: „Vielleicht muss man eine Ebene tiefer steigen, um hinter die Oberfläche zu schauen.“
    Stimmig wäre: um unter die Oberfläche zu schauen oder, noch besser: um auf den Grund zu schauen, das würde zu „tiefer“ passen.
  • Jetzt wird es grundsätzlich: Mit der Formulierung „eine Grundlage legen“ moppeln wir das „legen“ doppelt.
    Richtig – und schöner – ist: die Grundlage schaffen oder den Grundstein legen oder den Grund legen.
  • Schließlich las ich in der Beschreibung eines Lebensweges: „Ich hatte das Gefühl, der Weg ist unüberwindbar“.
    Präzise wäre: Die Hindernisse (auf dem Weg) schienen mir unüberwindbar. Oder: Der Weg war steinig und steil.

Aber wie lassen sich Stilblüten im Text vermeiden?

Wie kommen Sie zu präzisen Formulierungen und stimmigen Bildern?

  1. Vor allem durch gründliches Überarbeiten Ihrer Texte. Holen Sie sich dazu am besten Feedback von einer anderen Person, die frisch und unbefangen an Ihren Text geht.Sie selbst stecken so tief drin, dass Sie betriebsblind sind und die Fehler oder Ungereimtheiten gar nicht mehr entdecken.Wir schwören ja auf die Methode Schreiben im Team – wir haben schon öfter darüber geschrieben. Damit unterstützen Sie einander regelmäßig beim Feilen an Ihren Texten.
  2. Schauen Sie in ein Wörterbuch für Redewendungen, wenn Sie nicht ganz sicher sind. Solche Nachschlagewerke gibt es digital und analog.
  3. Lesen Sie regelmäßig gute Texte, z. B. Reportagen in großen Tageszeitungen oder Magazinen. So schulen Sie Ihr Sprachgefühl und werden sicherer bei der präzisen Verwendung von bildhaften Formulierungen.
  4. Schließlich kann es helfen, mit dieser Liste zu arbeiten. Diese lässt sich natürlich beliebig erweitern. Je länger die Liste, desto hilfreicher für Ihr tägliches Schreiben.

Deshalb: Halten Sie Ausschau nach ähnlichen Stilblüten und schicken Sie uns Ihr schiefstes Sprachbeispiel an post@business-schreibkurse.de

Wir sind gespannt auf Ihre Beispiele!

Herzlichst

Franziska Nauck und Nadja Buoyardane

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